Von den verschiedenen Anemonenarten sind die bekanntesten wohl die Mitglieder der Gattung Stoichactis. Sie haben die längsten und elastischsten Tentakel, weshalb sie, bei einem Angebot mehrerer Vertreter unterschiedlicher Gattungen von den Anemonenfischen den Vorzug erhalten. Frisch importierte Tiere stehen prall im Wasser und haben eine braun-rosa bis grünliche Färbung. Blasse, weißliche Tiere sollte man tunlichst nicht erwerben: Sie haben während des Transports eine zu lange Dunkelperiode überstehen müssen, und ihre Zooxanthellen sind daher abgestorben. Diese Stoichactis-Arten besitzen Tentakel von etwa 6 cm Länge. Sie sind an ihren Enden nur wenig knotig und nesseln nur schwach. Ihr recht kompakter und fleischiger Körper braucht ein gutes Versteck, weshalb man den Tieren einen Platz mit Spalt zwischen zwei stabilen Gesteinsstücken anbieten soll. Bei vermeintlicher Gefahr ziehen sie sich dann dorthin zurück. Im Aquarium werden sie nicht älter als zwei Jahre, wobei dann aber schon die Zeit des Schrumpfungsprozesses berücksichtigt ist.
Die Vertreter der Gattung Discosoma sind den meisten Aquarianern unter dem Begriff “Riffanemonen” bekannt. Ihre Futteransprüche gleichen denen der vorgenannten Stoichactis-Arten, und auf längere Sicht gesehen sind sie ebenso hinfällig. Sie bilden Arten mit kürzeren, ja teilweise sehr kurzen Tentakeln. Die Tiere können sehr kräftig bunt gefärbt sein. Man findet Exemplare in grüner, blauer sowie violett-roter Färbung, aber auch welche, die hellbeige, fleischfarben und rein weiß sind. Sie leben in ihrem natürlichen Biotop ebenfalls in Gesteinsspalten, jedoch eher in Sandbodennähe. Diese Öffnungen im Gestein bieten ihnen großen Schutz, da sie sich sehr weit darin zurückziehen können. Um diese Tiere im Meer zu erbeuten, muss man sich schon einer besonderen List bedienen, sonst kann man dieses Unterfangen bald aufgeben. Da auch diese Tiere als typische Riffbewohner viel Luft und Licht benötigen und auch auf eine kräftige Strömung nicht verzichten wollen, wird der Pfleger sind entsprechend platzieren müssen. Tut er das nicht, macht sich das Tier selbstständig und sucht sich einen neuen Platz, der dann aber meist dem Aquarianer nicht “in den Gesamteindruck passt”, denn für ihn ist die Anemone ja ein Dekorationsstück – leider oft nicht mehr! Nachts wird die Riffanemone dann bisweilen riesig-groß und streckt ihren Körper lang ausgezogen dem Plankton entgegen, auf das sie im Aquarium vergeblich warten muss. Strahlt man die Tiere jetzt an, zieht sich die Anemone in wenigen Augenblicken auf die Tagesgröße zurück. Auch diese Gattungsmitglieder sind gern angenommene Symbiosepartner der Amphiprioniden, doch auch hier gilt das eingangs gesagte: Geben Sie nur kleine Fische zu den Anemonen, wenn Sie an den Blumentieren längere Zeit Freude haben wollen!
Radianthus-Arten lassen sich verhältnismäßig gut halten, obgleich auch bei ihnen die anfänglich kräftige Färbung mit der Zeit verblasst. Ihre Tentakel sind wieder etwas länger als die der Discosoma-Verwandten. Radianthus- wie auch Discosoma-Arten werden gern von bestimmten Garnelen und Krabben bewohnt, die ebenfalls mit den Blumentieren in Symbiose leben, unabhängig davon, ob sich Anemonenfische ebenfalls noch in die Gesellschaft einfinden oder nicht. Besonders die kleine Porzellankrabbe Petrolisthes oshimai und die bekannte Anemonengarnele Periclimenes brevicarpalis sind den Aquarianern bekannt, da sie am häufigsten importiert werden. Von den verschiedenen Anemonenarten sind die wenigsten den Aquarianern einzeln bekannt, da ihre Ähnlichkeit zu Verwechslungen führt. Lediglich die Art Radianthus malu, ein weißes Tier mit lila-blauen Tentakelspitzen, das häufig zusammen mit der erwähnten Anemonengarnele gehalten wird, ist mit Artennamen bekannt geworden. All die bisher erwähnten Aktinien stammen aus dem indopazifischen Raum und dem roten Meer, doch kommen aus dem Bereich des karibischen Meeres und des anschließenden tropischen Atlantiks einige Anemonenarten zu uns, die meist unter dem Sammelbegriff “Florida-Anemonen” gehandelt werden. Sie haben dickere Tentakel und werden, obgleich aus diesem Gebiet das Vorhandensein von Anemonenfischen nicht bekannt ist, von diesen Fischen angenommen. Das ist aber fast immer nur dann der Fall, wenn sich keine indopazifischen Anemonen im Aquarium befinden.
Natürlich lassen sich auch Bewohner des Mittelmeeres und der Nordsee wie des Atlantiks im Aquarium halten. Dabei soll man sich allerdings vor falscher Gesellschaft der Tiere hüten. Da bekanntlich in diesen Meeren nicht nur eine andere Wassertemperatur, sondern auch teilweise eine andere Dichte (Salzgehalt) herrschen, können Tiere, die in ein Becken mit falschen Werten gebracht werden, sehr bald eingehen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass – ganz abgesehen von tropischen Aquarien bei durchschnittlichen Haltungstemperaturen von etwa 25C C – man grundsätzlich auch zwischen Mittelmeer- und Nordseebecken vor allem in der Haltungstemperatur unterscheiden muss. Dabei ist nicht einmal bekannt, welche Mindest- und Höchsttemperaturen Tiere aus dem Mittelmeer vertragen, doch sollte man davon ausgehen, dass man ein Mittelmeeraquarium während des Winters nicht in einem ungeheizten Raum lassen kann, wogegen Nordseetiere (Anemonen und hier besonders die Familie der Seenelken) während der Sommermonate nicht bei normaler Raumtemperatur, also ohne ungekühltes Wasser, überleben können. Ausnahmen mögen hier möglich sein, doch sollte man sich nicht darauf verlassen. Wasserkühlung ist schwieriger und in der Regel teurer als eine Erwärmung, weshalb man sich zumindest die Haltung von Nordseetieren sorgfältig überlegen und die technischen Möglichkeiten abschätzen sollte.
13
Dez 2009
Dez 2009
Category: Allgemein